Auftrittsverträge

 

 

Um gleich zu Beginn mal mit einem allgemeinen Trugschluss aufzuräumen: Ihr dürft in eure Auftrittsverträge nicht reinschreiben, was ihr wollt. Die deutschen Gesetze schließen manche Sachen schlicht aus, um Betrug und Unfairness nicht zu ermöglichen. Habt ihr entsprechende Klauseln in eure Verträgen, sind diese schlicht unwirksam, auch wenn der Showact den Auftrittsvertrag unterschrieben und ihm zugestimmt hat. Im schlimmsten Fall könnt ihr auch euren kompletten vertrag unwirksam machen, wenn einzelne Punkte den deutschen Gesetze widersprechen.


 

Juristischer Rat

Vertragrecht kann mitunter eine sehr komplizierte Sache sein. Es empfiehlt sich, dass ihr euch beim ausarbeiten von euren Auftrittsvertrag Hilfe von einer juristisch gebildeten Person holt. Das muss nicht zwangsläufig ein Anwalt sein, aber zumindest irgendjemand der ein paar jurisitsche Grundkenntnisse in Vertragsrecht hat.


 

Individuell aushandeln

Auftrittsverträge sollten individuell ausgehandelt werden. Bereitet am besten einen groben Mustervertrag vor, in dem ihr ein paar allgemeine Regeln festlegt. Das wären z.B. Sachen wie, dass ihr festlegt in weit ein Rauchverbot in eurer Location besteht. besteht. Das können aber auch Sachen sein wie, welche Fristen die Showacts einzuhalten haben. Jetzt geht aber der Spaß los, denn auch die Showacts sind z.B. darauf angewiesen, dass ihr euch an diverse Fristen haltet. Wie soll man beispielsweise einen Technikplan vorbereiten, wenn die Convention einem nicht rechtzeitig eine Liste ihrer vor Ort vorhandenen Technik schickt?

Ein Auftrittsvertrag ist eine Abmachung – „Ihr tretet bei uns auf, dafür bekommt ihr das als Gegenleistung“; „Wir sind darauf angewiesen, dass wir jenes von euch im Vorfeld rechtzeitig bekommen. Ihr braucht von uns im Gegensatz das und das bis zu einem bestimmten Zeitpunkt.“ Grob gesagt: Ihr müsst euch im Vorfeld darüber einigen, wie eure Zusammenarbeit aussehen soll, was die Rechte und Pflichten beider Parteien sind, was notwendig damit ein Auftritt umsetzbar ist.

Viele Conventions neigen dazu, die Showacts hier (unbewusst ?) in eine Art Bittstellerposition zu drängen. „Das hier ist unser Vertrag, den akzeptiert ihr genau so wie er ist oder wir schließen euch von vorneherein vom Bewerbungsverfahren aus.“
Wenn man aber mal ein paar Sekunden darüber nachdenkt, dürfte von der Logik her jedem klar sein, warum das nicht funktionieren kann. Die Showacts werden nicht danach gefragt, was sie für ihre Shows brauchen, was sie beinhalten und welche organisatorischen Hürden mit ihrer Show zusammenhängen.

„Der Showact ist so eine Diva, die wollen eine Umkleidekabine unbedingt für sich alleine. Die sollen mal nicht so egoisitsch sein und sich wie all andern auch ihre Umkleidekabine teilen.“ – Die Website-Erstellerin könnte euch nun spontan vier Gründe nennen unter welchen Voraussetzungen / für welche Art Shows Einzelumkleiden im Vorfeld notwendig(!) sind. An der Stelle könnte man nun auch wieder zu dem Thema umschwenken, warum man auf den Posten der Bühnnleitung niemanden ohne Vorkenntnisse setzen sollte. Der entscheidende Punkt ist aber der: jede Show ist anders. Ihr müsst mit den Showacts kommunizieren und individuelle Absprachen (= individuelle Verträge) treffen.

 

Wichtige Punkte

Was bekommt der Showact als Gegenleistung für einen Auftritt?

  • Kostenloser Eintritt für ausnahmslos alle Mitglieder des Showacts & kostenloses Wasser während des Auftrittes sollten das absolute Minimum sein.
  • Fahrtkosten- und/oder Übernachtungszuschuss
  • Verpflegung vor Ort
  • usw.

 

Wie sind die Gegenbenheiten auf der Convention / auf dem Event?

  • allgemeiner Aufbau der Bühne
  • technische Ausstattung, Kompatibilität der Technik
  • Umkleidekabinen, Lagerflächen
  • Personenzahlen – Mitglieder einer Showgruppe (Darsteller, Helfer, Techniker) vs. Anzahl der Showacts und Con-Helfer, die gleichzeitig hinter der Bühne rumwuseln
  • wichtige Zeiten: Auftritt, Probe, Umbau, Besprechungen vor Ort
  • usw.

 

Welche Fristen müssen von beiden Seiten eingehalten werden? Übersendung von Informationen?

  • Übersendung von Daten (z.B. Logos)
  • Entscheidungen und Bestätigungen, Austausch von Werbemitteln
  • usw.

 

Unter welchen Voraussetungen können beide Parteien(!) von dem Auftrittsvertrag zurücktreten?

  • für die Umsetzung notwendige Informationen werden nicht übersandt
  • mehrfach nicht an Fristen gehalten
  • auf Kontaktversuche wird nicht reagiert
  • vor Ort ist die Bühne anders als im Vorfeld beschrieben / abgesprochen
  • usw.

 

Welche Ansprüch auf Kostenrückerstattungen gibt es, wenn eine Partei von dem Auftrittsvertrag zurücktritt? Unter welchen gelten diese?

  • wichtig: Kostenrückerstattung kein Schadensersatz
  • Beispiele: Fahrtkosten, Druckkosten (Flyer)
  • usw.

 

Beispiele für rechtliche unwirksame Klauseln

Es gibt diverse Klauseln, die häufig in Auftrittsverträgen auftauchen, aber unwirksam sind, aus den im ersten Absatz ganz oben erklärten Gründen.

 

„Der Veranstalter übernimmt keine Haftung jeglicher Art für private Gegenstände der Showacts.“

Macht jemand aus dem Team der Convention etwas kaputt, muss die Veranstaltung dafür aufkommen. Sie kann in manchen Fällen (z.B. bei grober Fahrlässigkeit des Helfers) das Geld im Nachhinein von dem entsprechenden Helfer zurück verlangen. Auch bei Diebstallschäden wird das nicht greifen, denn jeder Mensch hat während eines Auftrittes immer in irgendeiner Form private Sachen dabei (z.B. Kleidung zum Umziehen, Geldbörse). Jedes Theaterhaus, jeder Veranstalter ist daher dazu verpflichtet, dass zum einen gesicherte Lagermöglichkeiten für private und andere (z.B. Requisiten) Sachen zur Verfügung stehen und muss auch dafür Sorge tragen, dass auch keine fremden Personen den Bühnenbereich („Backstag-Bereich) betreten können. Werden Gegenstände aus dem Bühnenbereich oder den Gruppen zur Verfügung gestellten Lagerräumen entwendet haftet klar der Veranstalter.

 

„Wir stellen keine Lagermöglichkeiten zur Verfügung.“

Viel Spaß dabei einen Showact zu finden, der das akzeptiert. Jeder Showact bringt irgendwas mit, was während der gesamten Veranstaltung und/oder während seines Auftrittes gelagert werden muss, seinen es private Gegenstände, Requisiten oder Techniksachen. Es ist der Sache selbst geschuldet, dass Lagermöglichkeiten gebraucht werden und ihr müsst sie zur Verfügung stellen.

Übrigens gilt diese Regelung nicht nur für die Showact, sondern auch für sämtliche Leute eures Teams. Eure gesamte Helferriege muss von euch Lagermöglichkeiten für (private) Sachen zur Verfügung gestellt bekommen. Noch zu erwehnen sei aber, dass hierbei auch die Verhältnismäßigkeit gilt. Kommt als jemand an und möchte z.B. einen Schrank lagern, den er sich gerade für private Zwecke im Möbelhaus nebenan gekauft hat, könnt ihr das natürlich zurückweisen.

 

Das Mitglied des Showacts haftet für den Verlust seines Eintritts-Ausweises entstandenden Schäden. Es wird kein neuer Ausweis ausgestellt.

Hier seid ihr in jedem Fall gezwungen einen neuen Ausweis auszustellen. Man kann immer mal etwas verlieren und es ist kein Drama nochmal einen weiteren Papierschnipsel zu verteilen.

Was die „entstanden Schäden“ angeht. Im schlimmsten Fall, verschafft sich eine unberechtigte Person mit dem Ausweis Zutritt in einen Bereich, wo sie nicht hinsoll. Nun kann das aber auch schon dadurch passieren, dass einer eurer eigenen Helfer seinen Ausweis einfach weitergibt. Ihr als Veranstalter seid dazu verpflichtet, dass keine unberechtigten Personen Zutritt bekommen. Der Verlust eines Ausweises kann jedem passieren, weswegen es die Regelung gibt, dass daraus keine Schadensersatzansprüche oder der gleichen gegenüber demjenigen entstehen, der seinen Ausweis verloren hat. Ihr könnt lediglich verlangen, dass derjenige euch die Materialkosten erstattet, also das Pappier und das kleine bisschen Druckertinte bezahlt.

Es ist daher üblich, dass auf Ausweise, die zu sensiblen Bereichen führen, immer ein Foto und der Name der jeweiligen Person raufgedruckt sind. So kann derjenige, der einen Eingang bewacht, entweder direkt sehen, dass es sich auch wirklich um die entsprechende Person handelt oder aber denjenigen anhand eines Ausweises oder Führerscheins identifizieren, wenn derjenige z.B. aufgrund eines Cosplays nicht zu erkennen ist.

Advertisements