Bewerbungsvideos

 

 

Bevor ihr euch ein Bewerbungsvideo eines Showacts anguckt, macht euch eines ganz klar bewusst: es geht darum das (technische) Können des Showacts einzuschätzen. Wie gut wird geschauspielert? Sind die Tänze gut choreografiert und ausgeführt? Wie sieht es mit dem Gesang aus?

Es geht hingegen nicht darum, euch von fremden Menschen erzählen zu lassen, wie toll ihr seid. Warum jemand bei euch auftreten möchte, kann und – um es noch treffender zu formulieren – sollte(!) euch auch egal sein. Habt ihr es wirklich nötig euch eine, in den meisten Fälllen, komplett gelogene Einschleim-Pseudo-Begründung anzuhören? Erwartet ihr, dass euch fremde Menschen ehrlich gemeintes Lob und Anerkennung entgegenbringen? Falls ja … nun ähm … sucht euch professionelle Hilfe … ?

In das Aufmerksamkeitsfeld mancher Showacts werdet ihr z.B. nur geraten, weil die Zugtickets zu euch besonders günstig sind und auch als große Convention mit vielen Social Media-Fans seid von sowas nicht ausgenommen.

 

Inhalt des Videos

In Abhängigkeit davon, was der jeweilige Showact alles macht, muss in das Video ein komplette Szene, ein Tanz oder ein gesungenes Lied. Das Wichtigste hierbei ist, dass die Sachen ungeschnitten und nicht nachbearbeitet sind. Auf der Bühne hat man auch nicht die Möglichkeit eine Sache zu wiederholen, wenn sie nicht so 100%ig geklappt hat. Die Showgruppe muss zeigen, dass sie etwas mit konstanter Leistung durchziehen kann.
Zudem darf man auch nicht vergessen, dass man bei Videoaufnahmen ja schon grundsätzlich so viele Anläufe machen kann, bis es perfekt klappt. Wenn ein Showact es nicht hinkriegt, eine einzige Szene fehlerfrei für ein Bewerbungsvideo durchzuspielen, wird er das auch auf der Bühne nicht schaffen.

Es ist auch möglich, dass euch eine Showgruppe z.B. eine Aufnahme von einem vergangenen Stück als Bewerbungsvideo schickt. In der Regel werden zum Großteil ohnehin wieder die gleichen Darsteller zu sehen sein. Generell ist es auch wichtig, dass ihr das Können möglichst vieler Leute in dem Video zu sehen bekommt um so die Gesamtleistung der Gruppe einschätzen zu können. Was nützt ein guter Schauspieler in der Anfangssequenz, wenn vier schlechter ihn durch das ganze Stück begleiten?

 

Einblick in das Stück

… bekommt ihr durch die Anfangsszene eines Stückes. Hier hat man aber oftmals das Problem, dass nur ein sehr kleiner Teil aller Schauspieler zu sehen ist. Von daher kann es hilfreich sein, zwei Szenen zu fordern: zum einen die Anfangsszene für einen Einblick in das Stück und eine weitere mitten aus dem Stück (oder aus dem vorhergehenden) für die Bewertungs der darstellerischen Fähigkeiten möglichst aller Darsteller.

 

Trailer in den Papierkorb!

Das Problem ist Folgendes: das eine ist ein zurecht geschnittenes Video, das andere ein Theaterstück. Die beiden Sachen haben nichts miteinander zu tun. Wie auch schon weiter oben erklärt: Sachen nochmal neu einsprechen oder sich die gut gelungen Stellen raussuchen und zusammenschneiden geht bei einer Bühnenaufführung nicht. Da heißt es durchziehen oder untergehen. Ein guter Cutter kann mit gut gesetzten Schnitten und Effekten, geschickt eingesetzer Musik und Überblenden das schlechteste Schauspiel und die grausigsten Tänze gut aussehen lassen.

Dazu kommmt, dass ein Video ganz anders funktioniert als ein Theaterstück. Man kann z.B. sich keine passenden Locations raussuchen, sondern muss stattdessen mit Requisiten ein passendes Bühnenbild kreieren. Dann bewergt man sich auf einer Bühne auch ganz anders, da der Oberkörper immer zum Publikum gerichtet sein muss (Ausnahmen bestätigen die Regel). Außerdem betrachten die Zuschauer die Szenerie auch immer aus der gleichen starren Blickrichtung im Gegensatz zu einer Videoaufnahme, wo man mit der Kammera verschiedene Blickwinkel aufnehmen kann. (Es gibt noch viele weitere Unterschiede. Das waren jetzt nur ein paar Beispiele.)

Zusammenfassend kann man sagen: Trailer, so hübsch sie auch sind, geben euch nicht mal im Ansatz einen Einblick in das technische Können eines Showacts oder die Inszenierung eines Theaterstückes / einer Show. Da ihr zudem ohnehin eine auch die (Stück)Beschreibung rin Textform bei der Bewerbung bekommt, habt ihr hier nichtmal einen Mehrwert in Bezug auf den Inhalt.

 

Aufmachung

Das Video kann mit einer alten Handykammera und ganz anfängermäßig auch ohne Einblenden des Showact-Logos gemacht sein. Es geht um Theaterauftritte, nicht Cosplay-Videos oder AMVs. Nicht mal in der professionellen Theaterszene sind Videoaufnahmen in guter technischer Qualität üblich. Das wird dort nur gemacht, wenn die Sachen verkauft werden sollen (z.B. Aufnahmen von Theaterstücken für Fans). Es ist unnötiger Aufwand, der nichts mit dem Endprodukt zu tun hat. Der Zeitaufwand und auch das Geld ist da besser in Requisiten oder Kostüme investiert.

Freut euch, wenn ihr ein technische hübsch aufbereitetes Bewerbungsvideo bekommt, aber lasst diesen Punkt keinesfalls in eure Bewertung mit einfließen.

Rechnet auch damit, dass die Darsteller im Bewerbungsvideo noch keine Cosplays anhaben werdn. Zu dem Zeitpunkt, wo Bewerbungsvideos gedreht werden, liegt der erste Auftritt meistens noch weit in der Ferne und entsprechend ist da bei weitem noch nicht alles fertig.

 

Auswertung

Hier wird es kompliziert. Bewerbungsvideos nützen euch leider nur etwas, wenn ihr selbst die notwenidigen Kenntnisse und Erfahrungen habt um das Können eines Showacts überhaupt einschätzen zu können. Es kann nur jemand die Sachen einschätzen, der selbst (etwas professionellere) Schauspiel-, Tanz- oder eben Gesangserfahrung hat. Eine genauere Erklärung hierzu findet ihr bei den Schauspiel-Tipps (Unterpunkt „Warum es nicht funktioniert“). Ihr brauch also jemanden mit Vorkenntnissen im Team.